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Mütter – von Liebe, Fürsorge und verkochtem Eintopf

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Mütter - von Liebe, Fürsorge und verkochtem Eintopf

Heute ist Muttertag.

Ein Tag, an dem wir unserer Mutter etwas Gutes tun sollen/wollen, ihr danken für ihre Fürsorge, ihre Liebe und ihr Da-sein.

Kinder bringen ihren Müttern Gänseblümchen oder selbstgemalte Bilder; Erwachsene fahren wenigstens heute zu Besuch und können vielleicht gemeinsam über den oft verkochten Eintopf ihrer Kindheit lachen - im besten Fall.

Im schlechtesten Fall kommen Erinnerungen hoch an Ereignisse, die zumindest bei demjenigen, der sie subjektiv erlebt hat, ein Schaudern auslösen. Spucke am Taschentuch und Abwischen des Mundwinkels ist eine der möglichen Erinnerung. Das mehr oder weniger freundliche Einmischen in alle möglichen Lebenssituationen ist eine andere.

Vielleicht hat sich die Spucke am Taschentuch geändert, aber das - zumindest subjektiv empfundene - Einmischen manchmal nicht. Was in der heutigen Zeit als "Helikoptermutter" bezeichnet wird, war früher die "Eislaufmutter": Die über-fürsorgliche, sich schier überall einmischende und gefühlt alles bestimmende Mutter. Das Maß aller Dinge, die unsere innere Messlatte definiert und es gefühlt immer noch tut.

Was ist der Unterschied zwischen Fürsorge und Übersorge?

Ist er nur subjektiv oder gibt es ein objektives Maß für diesen Unterschied?

Ist dieses Maß von Individuum zu Individuum unterschiedlich?

Warum ist in uns diese Messlatte von früher immer noch vorhanden und warum messen wir uns selbst immer wieder daran?

Und warum ist es oft so schwer, zu seiner Mutter ein "normales" Verhältnis zu haben?

Dass Mütter uns prägen und in unserer Kindheit die wichtigste Bezugsperson sind, ist keine neue Erkenntnis.

Und ein objektives Maß für den Unterschied zwischen Fürsorge und Übersorgezu finden, ist eigentlich nicht wichtig. Wichtiger ist, weshalb wir die innere Messlatte immer noch mit uns herumtragen.

Aber wieso schaffen wir es in unserem Erwachsenenleben so schlecht, Prägungen, die wir in dieser Form nicht mehr wollen, einfach abzustreifen?

Warum können wir es umgekehrt nicht lassen, unsere Mütter - zumindest unbewusst - für die mehr oder weniger großen Miseren unseres Lebens verantwortlich zu machen?

Wann ist der Zeitpunkt da, an dem wir wirklich erwachsen sind und Verantwortung für uns, unsere Gefühle und unsere Handlungen übernehmen, ohne sie mit den Erinnerungen an Erlebnisse unserer Kindheit und Jugend abzugleichen?

Wenn wir uns in diesen Zeilen wiederfinden, dann helfen uns die folgenden Gedanken vielleicht, aus diesem alten Zustand herauszukommen:

Wir schaffen das wohl nur, wenn wir Selbstverantwortlichkeit üben. Und die fängt damit an, dass man seine Mutter sein lässt, wie sie ist, mit ihren Eintöpfen und dem mehr oder weniger auffälligen Einmischen in unsere Lebenssituationen. Wir selbst sind verantwortlich, wieviel Gewicht wir diesen Dingen geben, wie sehr sie uns beeinflussen, wie sehr wir uns daran messen.

Wenn wir selbst mit uns im Reinen sind und unsere eigenen "Messlatten" haben, die wir für uns als wertvoll und wichtig erachten, dann lassen wir uns von anderen Menschen, auch von Müttern, nicht mehr so sehr aus unserer Ruhe bringen.

Wir können deren Standpunkte und Meinungen prüfen und wenn sie uns sinnvoll erscheinen, können wir sie integrieren, aber wir lassen uns nicht mehr verunsichern.

Dafür benötigen wir Selbstachtung, Integrität und Respekt vor uns selbst - mit anderen Worten die Gewissheit, dass wir gut so sind, wie wir sind.

Dafür müssen wir uns kennen, uns wertschätzen und uns selbst immer wieder fordern und fördern.

Mit dieser Selbstwahrnehmung können wir uns gut von anderen abgrenzen, sie aber gleichzeitig in ihrem Sein respektieren und wertschätzen.

Und wenn uns das auch mit unseren Müttern gelingt - was wohl die schwerste aller Übungen ist - dann kann der nächste Muttertag mit all seinen Gänseblümchen und dem gemeinsamen Lachen kommen und, im positiven Sinne, unvergessen bleiben!