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„Me First“

„Me First“!

Von Vordränglern lesen wir derzeit in den Medien.

Von Menschen, die sich nicht an die Priorisierungen halten, die sich „schnell“ eine Impfung erschleichen wollen.

„Unsolidarisch“ finden das die meisten, Strafen und Bußgelder werden gefordert.

Alles völlig verständliche Reaktionen.

Aber es stellt sich doch die Frage, warum diese Menschen, diese Vordrängler, das tun.

„Egoismus“, werden viele auf diese Frage sein, „nur an sich denken“.

Vielleicht haben einige von diesen Vordränglern auch einfach nur Angst vor einer Infektion.

„Unwahrscheinlich“, werden die meisten darauf sagen. Viel wahrscheinlicher ist doch, dass sie rechtzeitig geimpft sein möchten, wenn der Sommerurlaub beginnt.

Ja – vielleicht ist das so. Wer weiß das schon so genau.

Die Frage ist, weiß der Vordrängler, warum er sich vordrängelt?

Beliebt macht er sich damit jedenfalls nicht.

Ist es denn immer falsch, zuerst an sich zu denken?

Neulich sprach ich mit einer Freundin, die sagte, dass sie oft erst an andere denkt, bevor sie an sich selbst denkt.

Dass sie viele Sachen für andere macht, und oft gar nicht merkt, dass es sie erschöpft, bis sie dann komplett ausgelaugt ist.

Eine andere Freundin erzählte, dass sie bei den Mahlzeiten erst den (fast erwachsenen) Kindern gibt, damit diese auch bloß satt werden.

Wenn dann für sie nicht mehr viel da ist, sei das nicht so schlimm.

Ein andere Bekannter erzählte – endlich mal ein Mann, denn dieses Phänomen des „immer an die anderen denken“ findet sich doch gehäuft bei Frauen – dass er die Bedürfnisse und Wünsche seiner Frau erfüllt, egal, ob er diese versteht oder nicht.

Da werden Möbel gekauft, Ausflüge geplant und Mahlzeiten gekocht, die er vielleicht gar nicht mag.

Er selbst konnte gar nicht so genau sagen, was seine Bedürfnisse sind.

Stellt sich die Frage, ob es immer so gesund ist, erst an die anderen zu denken.

Vordrängeln ist sicher keine besonders gute Sache, denn hier weiß man ja, dass man irgendwann an die Reihe kommt – und ob das nun früher oder später ist, ist ja im Grunde gleichgültig.

Aber wie ist das mit dem „etwas für andere tun“?

Was ist mit den eigenen Bedürfnissen?

Wie ist es mit dem Bedürfnis nach Ruhe, wenn dann die Freundin anruft, die dringend etwas erzählen möchte.

Was geht dann vor, die Freundin, oder das eigene Bedürfnis nach Ruhe?

Noch schwieriger wird es, wenn man das eigene Bedürfnis gar nicht richtig erkennt.

So wie der Bekannte.

Im schlechtesten Fall fühlen wir uns dann irgendwann ausgelaugt, ein persönliches Burn out sozusagen.

Vermutlich wäre es klug, erst einmal die eigenen Bedürfnisse zu kennen.

Ob wir sie dann ausleben, oder auch nicht, ist dann eine ganz andere Frage.

Denn wenn wir die eigenen Bedürfnisse gar nicht kennen, oder nur rudimentär, können wir gar nicht entscheiden, was uns gut tut, und was nicht.

Und damit geben wir unsere Selbstermächtigung auf.

Wenn wir zum Beispiel wissen, dass uns eigentlich Ruhe gut tun würde, und die Freundin ruft an, und es ist dringend, dann können wir uns durchaus dazu entscheiden, trotzdem mit ihr zu telefonieren.

Aber aus dem Wissen heraus, dass unser Bedürfnis jetzt eigentlich Ruhe wäre.

Das ist etwas völlig anderes, als wenn wir wie ferngesteuert handeln, und etwas machen, von dem wir gar nicht wissen, ob wir es gerade wollen oder nicht.

Wenn wir unsere Bedürfnisse vielfach gar nicht kennen, würde es sich durchaus lohnen, einmal hinzuschauen, warum das so ist.

Trauen wir uns nicht, Bedürfnisse zu haben?

Oder sind wir wirklich so selbstlos, dass wir die anderen uns selber vorziehen?

Das gibt es durchaus, nicht nur bei Mutter Teresa, und das laugt uns auch nicht aus.

Aber klar darüber werden sollten wir uns.

Denn alles, was uns klar ist, bringt uns hin zu der eigenen Selbstermächtigung, zu unserer ureigenen Kraft und Stärke, und damit zu einer grundlegenden Resilienz.

Dazu gehört Ehrlichkeit. Ehrlichkeit uns selbst gegenüber, unseren Motiven gegenüber.

Bin ich wirklich selbstlos, oder stecken andere Gründe hinter meinem Verhalten?

Beantworten können nur Sie sich das, aber unterstützen kann ich Sie gerne dabei!

Damit Sie in Ihrer Kraft und Stärke sind, und auch darin bleiben!