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„Warum hast Du mich nicht mehr lieb?“ Wenn Beziehungen zerbrechen.

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"Warum hast Du mich nicht mehr lieb?" Wenn Beziehungen zerbrechen.

Wenn Beziehungen zerbrechen stellt häufig ein Partner, zumindest unausgesprochen, die Frage: „Warum hast Du mich nicht mehr lieb?“

Ist das wirklich so, dass einer den anderen nicht mehr lieb hat, wenn die Beziehung zerbricht, wenn einer einen Schlussstrich zieht und die Beziehung beendet?

Oder hat der eine den anderen vielleicht nicht wirklich lieb gehabt – was vermutlich eine noch viel schlimmere Annahme ist?

Oder geht es gar um etwas anderes als um Liebe, wenn eine Beziehung beendet wird?

Vielleicht denken Sie jetzt an Sexualität, die sicher ein wichtiger Baustein einer guten Partnerschaft ist und an der vermeintlich viele Beziehungen zugrunde gehen, weil einer der Partner eine sogenannte „außereheliche Beziehung“ führt.

Vielleicht denken Sie auch an Gewöhnung, Langeweile, zu hohe Erwartungen, Vertrauensverlust, Streit oder Konflikt.

All das, und noch vieles mehr, sind sicher Gründe, warum Partner auseinandergehen.

Und zumindest bei einem bleibt das Gefühl, dass der andere ihn nicht (mehr) liebt, er nicht genügt hat oder etwas hätte anders machen sollen.

Dann kommt es unweigerlich zu Auseinandersetzungen, Streit und Konflikten.

Was aber ist, wenn wir uns überlegen, dass die Partnerschaft nicht an etwas oder jemanden „zerbrochen“ ist, sondern dass die Wege der Partner nicht mehr nebeneinander her gelaufen sind, sondern unaufhaltsam auseinander – erst unmerklich, dann immer deutlicher, bis der andere schließlich gar nicht mehr zu sehen und zu greifen war?

Dieses Auseinanderlaufen der Wege würde natürlich irgendwann zu der Frage führen, ob der eine den anderen nicht mehr lieb hat.

Aber vielleicht geht es gar nicht um das „lieb haben“, sondern darum, den Weg, den man miteinander geht, als Geschenk zu sehen. Ein Geschenk, dass sich zwei Wege kreuzen und anschließend eine Weile gut und harmonisch nebeneinander her laufen.

Nicht nebeneinander her leben, nur laufen.

So dass manchmal die Illusion eines einzigen, gemeinsamen Weges erscheint.

Aber im Grunde ist auch eine Partnerschaft nie ein einziger Weg.

In einer Partnerschaft, egal welcher Natur, sind immer mindestens zwei Personen beteiligt und jede von ihnen hat ihren eigenen Weg.

Und wenn sich dieser Weg gut mit dem Weg des anderen ausgeht, dann geht man vielleicht ein kurzes oder langes Stück gemeinsam.

Wenn man klug ist, genießt man diese Stück und versucht, so an seinen Wegen zu arbeiten, dass sie möglichst lange miteinander laufen – ohne zu fusionieren und ohne sich zu weit auseinander zu bewegen.

Das mag auch in manchen Fällen gelingen. Dann hat diese Beziehung eine gute Chance, lange zu überdauern.

Aber manchmal gelingt es eben nicht.

Vielleicht gar nicht aus Gleichgültigkeit oder mangelndem Engagement, sondern weil sich die Wege so entwickeln.

In solchen Fällen ist es kein Fehlen der Liebe, die diese Beziehung zerbrechen lässt, sondern eine (Weiter-) Entwicklung eines der beiden oder beider Wege, die nicht mehr miteinander gehen können.

Wenn man diese Entwicklung lange ignoriert, passieren oft Dinge, wie Sticheleien, Streitereien, Affären, die schließlich zu Konflikten führen.

Vielleicht hätte man früher hinschauen sollen, sich früher darum kümmern sollen, welche Richtung die Wege nehmen – möglichst zu einer Zeit, wo diese Wege noch (scheinbar) harmonisch nebeneinander gelaufen sind. Denn diejenigen, die wandern, kennen das: die Kräfte sollte man besonders auf einem geraden Stück zusammenhalten, um die anstrengenden, steilen Passagen gut bewältigen zu können.

Wenn wir uns in einer Beziehung auf dem geraden Stück nicht bemühen und gemeinsam Kräfte sammeln, wird unsere Partnerschaft die steilen Passagen nicht überstehen.

Aber manchmal gibt es vielleicht auch gar keine steilen Wegstrecken, sondern „nur“ ein Auseinanderdriften der Wege.

Weise ist der, der dieses Auseinanderdriften wahrnimmt und nicht als Affront gegen sich sieht, sondern als natürliche Entwicklung des Lebens, das nie statisch ist, sondern immer dynamisch.

Dann gelingt es vielleicht, auch eine solche Situation ohne Bitterkeit und Vorwürfe anzunehmen und sich gegenseitig zu danken, für die schöne Zeit des gemeinsamen Weges, die man miteinander verbringen durfte!