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„Freude, schöner Götterfunken“

Eine Minute für die Menschlichkeit
23. September 2020
 

„Freude, schöner Götterfunken“

Gerade lese ich ein Buch, in dem es um Lebensfreude geht.

Hat Freude wirklich die Macht, unser Leben zum Positiven zu verändern, auch wenn wir uns gerade in Situationen befinden, die vielleicht nicht so richtig erfreulich sind?

Und wenn ja, wie machen wir das? Können wir Freude empfinden, einfach so? Braucht es dazu nicht einen Anlass?

Es gibt doch keinen Knopf, mit dem wir unsere Freude einschalten können, oder etwa doch?

Und auch noch wichtig: Wie fühlt sich Freude denn nun an? Gibt es unterschiedliche Freuden, oder nur unterschiedliche Intensitäten der einen Freude?

Fragen über Fragen, und sicherlich könnten noch einige dazu kommen.

Vermutlich ist es wichtig, dass wir uns erst einmal bewusst machen, dass unser Leben nicht unsere Lebenssituationen sind. Eckhart Tolle betont das immer wieder. Unser Leben sind wir, unsere Lebenssituationen sind das, was wir im Außen erfahren, unsere Erlebnisse.

Hier greift schon der altbekannte Spruch: „Ist das Glas nun halb voll, oder halb leer?“

Und werden wir als Optimisten oder Pessimisten geboren, oder macht uns unsere Biografie dazu, und vor allem, können wir es ändern?

Aber wollen wir das überhaupt?

Im ersten Augenblick könnte man denken: „Natürlich, wer will schon Pessimist sein?“

Aber haben Sie schon einmal mit einem eingefleischten Pessimisten gesprochen? So leicht ist das gar nicht, ihn davon zu überzeugen, dass das besagte Glas nicht immer halb leer sein muss.

Warum ist es so schwer? Kann der Pessimist nicht anders, oder will er nicht?

Müssen wir erst unsere gesamte Biographie aufarbeiten, jede Ecke unserer Persönlichkeit beleuchten, und am besten auch noch unser gesamtes Umfeld?

Hört sich nach sehr viel Arbeit und einem langen Prozess an.

Oder können wir einfach beschließen, ab jetzt Freude zu empfinden – den imaginären Knopf drücken, und schauen, was passiert?

So können wir uns für den Anfang einmal eine Situation vorstellen, in der wir subjektiv Freude empfunden haben. Wir können dieses Gefühl in unserem Körper mit allen Sinnen erfassen, und versuchen, es möglichst intensiv zu spüren und dann so verankern, dass wir es möglichst oft, in verschiedenen Situationen abrufen können.

Zum Beispiel haben Sie Freude an einem weiten, schönen Sandstrand empfunden, oder auf dem Gipfel eines Berges.

Sie stellen sich diese Bild vor, und speichern die Empfindungen, die Sie dabei haben ab, so dass Sie sich bald nur noch das Bild vorstellen müssen, und schon kommen die Empfindungen, und fluten Ihren Körper.

Oft sind es Empfindungen wie Wärme, Weite, Ruhe o.ä., also etwas Angenehmes, Positives.

Man könnte also durchaus annehmen, dass es somit nur „eine Freude“ gibt, die einfach in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen wird – eine Frage vielleicht so schon geklärt.

Und wenn es nur eine Freude in unterschiedlicher Intensität gibt, dann ist sie vielleicht immer da, nur nicht immer spürbar.

Und den Knopf zum Einschalten brauchen wir dann nur, um uns wieder daran zu erinnern, dass die Freude in uns ist, wir sie nur aus den Augen bzw. aus dem Gefühl verloren haben, vor lauter Lebenssituationen, die sich um uns herum ausbreiten.

Und vielleicht wirken diese besagten Lebenssituationen mit der Freude ganz anders als ohne, vielleicht leichter, nicht mehr so gravierend, nicht mehr so auslaugend.

Auch, wenn sich objektiv vielleicht gar nichts an den Lebenssituationen ändert, aber ändern wir uns subjektiv, so haben wir mehr Kraft und Elan, uns diesen Situationen sinnvoll zu stellen.

Allerdings braucht es hierfür eine Sache: Die Selbstermächtigung, dass wir diese Freude auch fühlen dürfen.

Wie machen wir das? Indem wir es uns einfach erlauben.

Und wenn das nicht geht, wenn wir es uns nicht erlauben können?

Dann sollten wir wirklich schauen, warum das so ist, warum unser eigenes Selbstbild so ist, dass wir nicht glauben, uns erlauben zu dürfen, Freude zu empfinden.

Manchmal ist es gar nicht unsere gesamte Biografie, und auch nicht unser Umfeld, das uns daran hindert, Freude zu empfinden, sondern irgendetwas in uns selbst, vor dem wir Angst haben, es uns genauer anzuschauen, um es auflösen zu können.

Aber das Hinschauen und Auflösen lohnt sich, denn dann kann die Freude sich in unserem Leben ausbreiten, und in jeder Situation sprühen wie Götterfunken!